Der Zwerg als Schiffbauer - ein diachroner Vergleich

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Schon seit vielen Jahren herrscht unter den Gelehrten ein heftiger Streit über die Frage, ob und in welcher Form das Volk der Zwerge Schifffahrt betrieben hat. Unzweifelhaft ist, dass in heutiger Zeit die Zwerge jegliche Form von Gewässern, sofern sie eine Breite oder Tiefe von etwa 50 cm überschreiten, meiden. Umso erstaunlicher ist es, dass ich und meine Mitarbeiter bei mehreren Grabungsexpeditionen auf Spuren zwergischer Wasserfahrzeuge gestoßen sind. Ihre zwergische Herkunft ist vor allem aufgrund ihrer geringen Größe, sie bewegt sich zwischen 80 cm und fünf Metern, zweifelsfrei erwiesen. Eine Funktion als Spielzeug für Menschenkinder ist auszuschließen, da die betreffenden Objekte weitab jeglicher menschlichen Ansiedlung gefunden wurden und ihre Konstruktion trotz ihres rohen Erscheinungsbildes eine hohe Zimmermannskunst offenbart. Die für solche Objekte normalerweise anzutreffende Bezeichnung „Boot“ soll hier vermieden werden, da es sich nach zwergischen Maßstäben eher um Schiffe handeln dürfte. Zwei Beispiele seien im Folgenden kurz vorgestellt. Die von mir entwickelte Methode der „Jahrringzählung“ an Baumresten ermöglichte eine sehr genaue Datierung der Fundobjekte. Als frühes Beispiel zwergischer Schiffsbaukunst ist ein einfacher, ausgehöhlter Baumstamm zu erwähnen, der in die Altvorderenzeit zu datieren ist. Er fand sich am Fuße des Varngebirge]s am Oberlauf des Tescoron. Von kundiger Hand wurde damals der Stamm einer Eiche in mehrere Teile zersägt. Diese wiederum wurden an ihren Schmalseiten mit Holzbohlen abgeschlossen, die mit Birkenpech zusammengefügt und befestigt wurden. Experimente meiner Mitarbeiter belegten die Schwimmtüchtigkeit dieser Objekte für zehn Minuten, genug, um den Tescoron an dieser Stelle zu überqueren. Ein ausgefeiltes, hoch entwickeltes Fahrzeug, das aber leider nicht über die Experimentierphase hinausgekommen zu sein scheint, fanden wir am Fuße des Bridengebirges am schlammigen Ufer des Valmar-Sees. Es handelt sich hierbei um ein in die Zeit um das Jahr 500 n.S.G. zu datierendes so genanntes „Drachenschiff“. Es erreicht die gar erstaunliche Länge von fünf Metern, dabei ist es einen Meter breit. Der Rumpf dieses Schiffes aus Eichenholz wurde auf einem Kiel ruhend in Plankenbauweise zusammengefügt, die Planken dabei mit außerordentlich kunstvoll geschmiedeten Nägeln zusammengehalten. In den Vordersteven ist an seinem Ende eine grauenhafte Fratze geschnitzt, wie sie nur die Zwergenmythologie hervorbringen konnte. Ein Mast konnte an dem Objekt nicht nachgewiesen werden. Innerhalb des Fahrzeugs, auf den Resten einer Ruderbank kauernd, konnten wir einen durch den Luftabschluss und das moorige, säurehaltige Milieu hervorragend konservierten Zwergenkörper freilegen. Sein im Laufe der Zeit schwarz angelaufenes Gesicht verrät noch heute ein unaussprechliches Entsetzen. Dieses dürfte durch plötzlich hereinbrechende Wassermassen verursacht worden sein, die sich ihren Weg durch ein Leck direkt unterhalb der bedauernswerten Kreatur in das Schiffsinnere gebahnt hatten. Das Fahrzeug sank in sekundenschnelle. Der Schock, den dieses Unglück unter den Zwergen der damaligen Zeit hervorrief, scheint so groß gewesen zu sein, dass er bis heute bei ihnen einen weiteren Schiffbau verhinderte. Ich möchte an dieser Stelle hiermit mein tiefstes Bedauern über diese Entwicklung ausdrücken, da der Wissenschaft damit hervorragende Studienobjekte des uns so fremden Zwergenhandwerks entgehen.


Geschrieben im Jahre 1836 n.S.G. zu Telaron. Fortikus, Beauftragter für Archäologie des Magisters für Wissenschaft und Kultur des Landes Khemara.

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